Flexibilität und Innovationsbereitschaft sind die strategischen Vorteile Klein- und Mittelständischer Unternehmen (KMU) in wissensintensiven Innovationsbranchen. Hochqualifizierte Mitarbeiter sind Schüssel dieses Erfolgs. Neben der fachlichen Kompetenz spielt das technische Know-how der Mitarbeiter eine entscheidende Rolle. Erst durch die „stillen“ Leistungen der Mitarbeiter gelingt es, ITSysteme in die dynamische Alltagspraxis zu integrieren und bestehende Software-Werkzeuge an die Arbeitsbedürfnisse optimal anzupassen. Um diese Arbeit zu unterstützen, gilt es, den in letzten Jahren zunehmenden Trend der Flexibilisierung von IT-Systemen, die auf dezentralen, service-orientierten Infrastrukturen aufbauen, im Sinne des „easy-to-adapt“-Prinzips aus Endbenutzerperspektive weiterzuentwickeln. Das Gesamtziel des Verbundsprojekts ist es, hierzu ein integriertes Gesamtkonzept zu entwickeln, dass die zunehmende Komplexität von IT-Infrastrukturen für den Endanwender handhabbar macht und insbesondere fachlich hochqualifizierte Endbenutzer in die Lage versetzt die Potentiale, die die zunehmende Flexibilität moderner Software-Architekturen bietet, zur Verbesserung ihrer alltäglichen Arbeitspraxis zugänglich zu machen. Dazu muss ein integriertes Gesamtkonzept den Bedürfnissen und Zwängen des Engineerings solcher flexiblen Infrastrukturen für heterogene Umwelten Rechnung tragen, als auch den Bedürfnissen und Zwängen der Anwendungspraxen gerecht werden. Entscheidend für das Verbundprojekt wird es sein, McIllroy’s Vision eines Marktes frei kombinierbarer Anwendungskomponenten und -services [McIllroy,1968; Szyperski, 1998] mit Konzepten des End User Development (EUD) [Sutcliffe/Mehandjiev 2004] zu verbinden.

Das übergeordnete Gesamtziel wird innerhalb des CoEUD durch drei miteinander verzahnte Teilziele konkretisiert:
• Entwicklung von Software-Engineering-Methoden
EUD-orientierte Komponenten- und Service-Infrastrukturen stehen zwei Herausforderungen gegenüber: Zum einen müssen die Komponenten interoperabel sein und die Integration in fremde Infrastrukturen ermöglichen. Da aber bei der Integration von Komponenten zu einer optimal angepassten Einheit häufig ein menschlicher Eingriff nötig ist, müssen die zugrunde liegenden Software-Infrastrukturen auch hierauf ausgelegt sein und entsprechende Human Factors schon bei der Gestaltung mit berücksichtigt werden. Deshalb sollen bestehende Entwurfskonzepte zur Gestaltung von flexiblen Software-Architekturen unter dem Gesichtpunkt des EUD weiterentwickelt werden.
• Entwicklung von Technologien dezentralen Managements und kooperativen Appropriations-Infrastrukturen
Das Ziel dieses Bereichs des CoEUD Projekts besteht darin Techniken zur Unterstützung von kooperativen EUD
innerhalb von verteilten Arbeitsprozessen zu entwickeln. Insbesondere geht es um die Gestaltung von verteilten Repositories und Integration in den Nutzungskontext, die Visualisierung ähnlicher Nutzer bzw. Nutzungen und Etablierung von Peer & Expert Recommendation sowie die Bereitstellung von verteilten Annotations- und Bewertungsmöglichkeiten von Komponenten und Services.
• Entwicklung von Anpassungswerkzeugen
Bei der Entwicklung von Anpassungswerkzeugen geht es insbesondere darum, das Flexibilisierungspotential besser aus dem Nutzungskontext zugänglich zu machen. Dabei gilt es Erkenntnisse aus dem Bereich der Psychology of Programming aufzugreifen, um die Ergonomie der Anpassungswerkzeugen zu erhöhen.
Lieberman, H.; Paternò, F.; Wulf, V. (Hrsg.): Empowering people to flexibly employ advanced information and communication technology, Kluwer, in Druck.
McIllroy, M. (1968): Mass produced software components, in: Report on a conference of the NATO Science Committee, 1968, S. 138–150.
Stiemerling, O. (2000): Component-based Tailorability, Dissertation, Bonn, 2000.
Sutcliffe, A.; Mehandjiev, N. (Hrsg.) (2004): End-user development, Special Issue of the Communications of the ACM 47(9), ACM Press, 2004.
Szyperski, C (1998): Component Softwae Beyond Object-Oriented Programming, Addison-Wesley, 1998.